Wird die Börse weiter steigen? Ist der Anstieg der Aktienbörsen wirtschaftlich gerechtfertigt?

von Franz Brandtner am 9. September 2009 · 1 Kommentar

Zum Verständnis unserer Sicht haben wir Ihnen hier eine Auswahl von Wirtschaftszahlen zusammengestellt, überwiegend US-amerikanische, da die amerikanischen Börsen nach wie vor die Leitbörsen der Welt sind.

 

1. Wie sehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus?

Das momentane Stoppen der Rezession ist in erster Linie durch Konjunkturprogramme bedingt, beispielsweise Abwrackprämien in Deutschland, Frankreich oder den USA.
Ich frage mich, wie sich der Kfz-Absatz in der Zeit nach den Abwrackprämien weiterentwickeln wird. Viele haben einen Autokauf vorgezogen, entsprechend stärker wird danach der Rückgang sein.

1.1. Entwicklung der Arbeitslosenzahlen

In den USA ist die Arbeitslosenstatistik U3 rasant nach oben gegangen: Im August 2009 stieg sie auf 9,7%. Hier der Langfristchart seit 1948

Chart der US Arbeitslosen in Million von Franz Brandtner

Anzahl der Arbeitslosen in Millionen

In den USA werden 6 verschiedene Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Die Arbeitslosenquote U3 ist die allgemein in Zeitungen genannte und die von der Börse beachtete. Sie ist die freundlichste Zahl. Da man in Amerika die Arbeitslosen nicht zählt, sondern schätzt, werden die Vormonate immer wieder revidiert.

In der breiter gefassten Arbeitslosenquote U-6 erscheinen zusätzlich die Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen, die marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer und die sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten. (Quelle: www.wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Chart der US Arbeitslosenquote, Franz Brandtner

Die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote U-6 seit Januar 1994, der Beginn der Datenerhebung

Wenn man sich die umfassendere Arbeitslosenstatistik U6 ansieht, wird das Ausmaß erst richtig deutlich: Die U-6 steigt im August auf 16,8%, nach 10,9% im Vorjahresmonat!

 

 

 

Quelle:
http://research.stlouisfed.org/fred2/data/UNRATE.txt
http://www.bls.gov/news.release/pdf/empsit.pdf, Seite 19

1.2. Kreditausfälle schwappen dadurch von Subprime auf den Primebereich über

Das bedeutet, auch wenn die Subprimekrise (verursacht durch Darlehen an Personen, die es sich gar nicht leisten konnten) abgearbeitet ist, macht sich jetzt Ungemach im Primebereich bemerkbar, das bedeutet , dass auch die Darlehensnehmer, die es sich vor der Krise leisten konnten, durch den Verlust des Arbeitsplatzes jetzt auch die Darlehensraten nicht mehr zahlen können. Entsprechend erhöhen sich auch die Zwangsversteigerungen weiter.

Im ersten Quartal 2009 haben sich die Ausfälle in Prime-Darlehensbereich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Quelle:
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aZaaKZlwiKFE
http://www.ftd.de/finanzen/immobilien/:zwangsversteigerungen-jobabbau-trifft-us-haeusermarkt-hart/556645.html

1.3. Die Kreditkartenlinien von derzeit unvorstellbaren 5.400.000.000.000,- US-$ sollen bis 2010 halbiert werden

Die Ausfälle bei Kreditkartenschulden nehmen zu. Die gesamten Kreditkartenlinien der USA betragen unvorstellbare 5.400.000.000.000,- US-$. (5.400 Mrd. US-$).

Wie soll der Konsum und die Binnennachfrage angekurbelt werden, wenn den Amerikanern 50 % der gewohnten Kredite gestrichen werden?

Zum Vergleich:
Die deutschen Staatsschulden betragen aktuell 1.611 Mrd. € (Quelle: www.steuerzahler.de), die der USA 11.800 Mrd. US-$ (Quelle: www.brillig.com/debt_clock)

Quelle:
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:schlechte-zahlungsmoral-die-75-mrd-kreditkartenlawine/488425.html

1.4. Allein in diesem Jahr wurden 89 Banken geschlossen, drei mal mehr als 2008

Das sind mehr als dreimal so viele wie im ganzen Jahr 2008, in dem 25 Banken betroffen waren. 2007 waren es nur 3 Banken.

Inwieweit sich die uneinbringbaren Kreditkartenschulden auf weitere Banken auswirken werden, wird man in ein paar Monaten sagen können.

Bankpleiten in der USA, Franz Brandtner

Bankpleiten 2007 bis heute

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:
http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/usa-drei-weitere-banken-geschlossen_aid_430709.html
Federal Reserve Bank von St. Louis, http://research.stlouisfed.org/maps/failed_banks.php

 

Resümee:

Hohe Arbeitslosenzahlen = weniger verfügbares Einkommen und reduzierte Kreditrahmen = niedrigere Binnennachfrage = niedriger Importbedarf der USA = niedriger Export in Europa.

Woher soll das schnelle Wirtschaftswachstum kommen, um diese Börsenanstiege zu rechtfertigen.

 

2. Zwei Anmerkungen zum Börsenanstieg

2.1. Der Kursanstieg kommt mit wenig Umsatz zustande:

DAX Anstieg mit wenig Umsätze, Franz Brandtner

Kursanstieg kommt mit wenig Umsatz zustande
Quelle: MarketMaker

Der Umsatz beim DAX bewegte sich 2007 im Mittel um die 9 Mrd. €, in diesem Jahr sind es nur ca. 2,5 Mrd. €.
Dies bedeutet, dass schnell auch wieder eine starke Korrektur kommen kann, da der Anstieg nicht auf einer breiten Basis steht.

 

 

 

2.2. Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen in großem Maß ihre Aktien

Damit wundert es auch nicht, dass die Insider Ihre Aktien verkaufen und laut Charles Biderman nur ganz wenige Insider Aktien kaufen.

Insiderverkäufe sind Verkäufe von Aktien durch die Vorstände und Aufsichtsräte der jeweiligen Aktiengesellschaft. Und die sollten die Zahlen und den Wert ihrer AG am besten kennen. Offensichtlich halten sie diesen für weitaus niedriger, als wie er momentan an der Börse gehandelt wird.

Charles Biderman fragt auch: „Woher kommt das Geld, dass die Aktien am Steigen hält?“

Quelle:
Charles Biderman BloombergTV August 28, 2009
http://wallstreetblips.dailyradar.com/video/charles_biderman_bloombergtv_august_28_2009/ und
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:vertrauenskrise-manager-misstrauen-boersenboom/50007134.html


Fazit:

Um kein zu großes Verlustrisiko einzugehen, bauen wir den Aktienanteil nur mit Bedacht aus, aktuell ca. 24 %. Beim ersten Anzeichen von einer möglichen größeren Korrektur werden wir sie auch wieder verkaufen.

Auch wenn diese Vorsicht gegenüber der klassischen Buy-and-hold-Strategie dieses Jahr zu einem Renditenachteil geführt hat, werden wir dem Gebot von geringen Schwankungen treu bleiben. Auf Zweijahressicht ist die Verlustabsicherungsstrategie nach wie vor deutlich im Vorteil.

Siehe dazu auch im Leitfaden „Schadlos durch die Finanzkrise“ auf Seite 18 ab dem vorletzten Absatz und Seite 19. Sollten Sie den Leitfaden nicht haben, können Sie ihn gerne bei uns anfordern.

Man muss sich in dem Zusammenhang fragen, ob und wie weit man die Grenze zur Spekulation überschreiten will.

Dieser Artikel soll nicht bedeuten, dass wir grundsätzlich negativ eingestellt sind, ganz im Gegenteil. Wir sind nur der Meinung, dass man aufgrund obiger Fakten derzeit noch vorsichtig mit Investitionen in die Aktienmärkte sein soll.

Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Franz Brandtner

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1 Ruth Willett 2. Februar 2010 um 18:42

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um Zusendung des Leitfadens “Schadlos durch die Finanzkrise”.

Mit freundlichen Grüßen, Ruth Willett

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